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Röhrsdorf: Heimatverein zeigt Schulalltag vor 100 Jahren
 

 

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Rumms, vorsichtig schieben Volker Helbig und Dietmar Neumann das mächtige Lehrerpult in die Mitte des Raumes. Daneben legt Waltraud Osterland akkurat den alten Rechenschieber und die Schiefertafel mit Schwämmchen in das Regal.

Die Mitglieder des Heimatvereins Röhrsdorf bauen im Schloss Röhrsdorf die Ausstellung „Bücher und Schule damals…“ auf. Anlässlich des Borthener Blütenfestes am Wochenende soll sie gezeigt werden. „Wir wollen darstellen, wie früher und mit welchen Lehrmitteln unterrichtet wurde“, sagt Volker Helbig. Gleich im ersten Raum sind zahlreiche Bücher ausgestellt, darunter „Vaterländische Erdkunde“ aus dem Jahr 1924. Nach einem Blick in die früheren Mathematik-Bücher kann sich die kesse Waltraud Osterland die Bemerkung nicht verkneifen: „Kein Wunder, dass wir bei Pisa die schlechten Plätze belegen, die Anforderungen damals waren viel höher als heute.“

Die Exponate stammen zum größten Teil aus der Auflösung der Schule in Gorknitz im Jahr 2000. „Damals haben wir die Möbel und die Lehrmittel nicht entsorgt, sondern in der Gemeindeverwaltung eingelagert“, sagt Neumann. Darüber hinaus klopften die Vereinsmitglieder im Vorfeld der Ausstellung an die Türen von alteingesessenen Bewohnern, ob sie noch alte Schulsachen oder Bücher zur Verfügung stellen könnten. Mit Erfolg. „So erhielten wir zum Beispiel eine Bibel, die 1877 in Breslau gedruckt wurde“, erzählt Waltraud Osterland und zeigt auf das dicke schwarze Buch in der Vitrine.

Der lokale Aspekt steht bei der Ausstellung im Vordergrund. Deshalb zeigt der Heimatverein auch den Film „In Röhrsdorf nichts Neues…“, den die Defa 1960 in dem Ort drehte. Gefilmt wurden Röhrsdorfer Schulkinder beim polytechnischen Unterricht auf dem Volkseigenen Gut Gamig-Röhrsdorf und der LPG. Im zweiten Teil des Filmes versucht ein als Fuchs verkleideter Junge, die Gänse im Dorf zu stibitzen. Die Pioniere wissen das zu verhindern. Den Gänsedieb mimte damals Reiner Wilbrandt, der heute jedoch nicht mehr in Röhrsdorf wohnt. Dennoch schmunzelt Neumann: „Viele andere Einwohner werden sich in dem Film sicher wiedererkennen.“

Dass der Film heute im Besitz des Heimatvereins ist, ist einem ehemaligen Kollegen von Volker Helbig zu verdanken. Er schrie rechtzeitig „Hier“, als die Filmproduktionsfirma den Streifen aufgrund von Überalterung vernichten wollte. „Über Umwege gelangte der Film dann in unsere Hände“, erzählt Volker Helbig.

Auch der Film wird in den Räumen des Schlosses Röhrsdorf gezeigt. „Wir sind den Schlossbewohnern sehr dankbar, dass sie uns die Carlowitz-Räume in diesem Jahr wieder zur Verfügung stellen“, betont Dietmar Neumann. Bereits zum vergangenen Borthener Blütenfest hat der Verein im Schloss eine Ausstellung gezeigt. „Die Zusammenarbeit zwischen der Künstlerkommunität und dem Heimatverein ist sehr gut“, sagt auch Volker Helbig.

Nach dem Blütenfest werden die Ausstellungsstücke den jeweiligen Besitzern zurückgegeben. Die Exponate im Besitz des Heimatvereins „verschwinden“ wieder auf dem Boden der ehemaligen Gemeindeverwaltung. „Denn wir haben ja kein Heimatmuseum in der Ortschaft“, sagt Neumann, überlegt und fügt hinzu: „Eigentlich schade, denn genügend Material für eine Dauerausstellung hätten wir in jedem Fall.“ Vielleicht findet sich ja in Zukunft eine Lösung?

Der Film „In Röhrsdorf nichts Neues…“ wird am 7. Mai um 14 Uhr, am 8. und 9. Mai jeweils um 11, 14 und 16 Uhr gezeigt.

Quelle: SZ

 
Donnerstag, 06. Mai 2010 11:40 20
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